04.11.2026 - Schon vor den US-Zwischenwahlen zeichnete sich bei den deutschen Unternehmen in den USA ein deutlicher Stimmungsumschwung ab. Nach den heftigen Zollturbulenzen der vergangenen Monate bewerten sie ihre US-Geschäfte deutlich besser als noch im Frühjahr und wollen wieder stärker investieren und Personal einstellen. Die bessere Stimmung hat allerdings einen Haken: Die schwer berechenbare US-Handelspolitik und anhaltende Handelshemmnisse stellen die Unternehmen vor Ort weiterhin vor große Herausforderungen.
Das zeigt eine aktuelle Umfrage der DIHK und der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) unter deutschen Unternehmen in den USA, die bereits im Oktober und damit vor den US-Zwischenwahlen durchgeführt wurde.
Daran dürften auch die neuen Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress zunächst wenig ändern. "Der Kongress wechselt die Farbe, die Zuständigkeit bei der Handelspolitik bleibt im Weißen Haus. Für unsere Unternehmen bleibt die Lage damit unsicher. Sie mussten sich immer wieder auf neue Spielregeln einstellen und haben bewiesen, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich wirtschaften können", sagt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov.
US-Geschäft: Stimmung dreht deutlich ins Plus
Die im Oktober erhobenen Zahlen zeigen einen bemerkenswerten Stimmungsumschwung: Fast zwei Drittel (64 Prozent) der befragten deutschen Unternehmen in den USA bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, nur fünf Prozent als schlecht. Im Frühjahr fiel die Bilanz noch deutlich verhaltener aus. Auch der Blick nach vorn ist ausgesprochen zuversichtlich: 59 Prozent rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit besseren Geschäften, lediglich fünf Prozent erwarten eine Verschlechterung.
Dahinter steht auch die robuste US-Konjunktur. 39 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sich die wirtschaftliche Lage in den USA verbessert. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen ist seit dem Frühjahr von minus sechs auf plus 29 Punkte gestiegen und liegt damit erstmals seit Trumps erneutem Amtsantritt wieder deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.
Mehr Zuversicht, aber Zollstreit bleibt akut
Der Turnberry-Deal hat den handelspolitischen Zickzack zwar begrenzt und mehr Planbarkeit geschaffen. Aus Sicht deutscher Unternehmen bleiben jedoch erhöhte Zölle und Handelsbarrieren eine Belastung. Über die Hälfte der Unternehmen (51 Prozent) sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein wesentliches Geschäftsrisiko. Vor drei Jahren waren es noch 34 Prozent. Fast jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) nennt Handelsbarrieren als Risiko – nahezu viermal so viele wie 2023. "Die Geschäfte laufen gut – nicht wegen der Zölle, sondern trotz ihnen", so Melnikov. "Jetzt sollten die USA endlich die mit der EU vereinbarten Zollregelungen vollständig umsetzen, statt das Abkommen mit immer neuen Zolldrohungen infrage zu stellen. Die Unternehmen brauchen verlässliche Spielregeln statt immer neuer handelspolitischer Überraschungen."
US-Handelspolitik treibt Investitionen vor Ort an – wer bleibt, baut um
Wie stark sich die Unternehmen bereits vor den Zwischenwahlen auf die veränderten Bedingungen eingestellt hatten, zeigen ihre Investitions- und Personalpläne: 41 Prozent wollen ihre Investitionen in den USA in den kommenden zwölf Monaten erhöhen, 48 Prozent zusätzliches Personal einstellen. Zugleich plant fast jedes dritte Unternehmen (29 Prozent), als Reaktion auf die US-Handelspolitik gezielt Investitionen in die USA zu verlagern. Mehr als jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) richtet seine Lieferketten stärker auf amerikanische Zulieferer aus. Deutsche Unternehmen rücken näher an ihre Kunden heran und produzieren verstärkt vor Ort. Für den Standort Deutschland ist das ein Warnsignal: "Was in den USA investiert wird, könnte hierzulande fehlen", warnt Melnikov. Ein Rückzug aus dem US-Markt ist für die befragten Unternehmen dagegen keine Option. Kein einziges plant, die USA zu verlassen. Nur zwei Prozent wollen ihr US-Geschäft reduzieren.
Deutschland muss selbst attraktiver werden
Für Melnikov folgt daraus ein klarer Auftrag an die deutsche und europäische Politik. Die USA bleiben einer der wichtigsten Märkte für deutsche Unternehmen. Gleichzeitig muss Europa seine Handelsbeziehungen breiter aufstellen und der Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb wieder attraktiver werden. "Wer verhindern will, dass immer mehr Investitionen über den Atlantik wandern, muss hierzulande bessere Bedingungen schaffen. Hohe Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie und langwierige Genehmigungen machen Investitionen in Deutschland unattraktiver. Das können und müssen wir selbst ändern. Denn eines ist klar: Über die Handelspolitik wird in Washington entschieden. Ob Deutschland als Investitionsstandort mithalten kann, liegt vor allem in unserer eigenen Hand."
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AHK WBO USA Herbst 2026: Zwischen Aufhellung und Anpassung
DIHK-Sonderauswertung des AHK World Business Outlook Herbst 2026
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 2 MB
Stand: November 2026
Seitenumfang: 13 Seiten
Zur Umfrage: Der AHK Regional Business Outlook USA basiert auf der regelmäßigen DIHK-Befragung der Mitgliedsunternehmen der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs). An der Erhebung vom 5. bis 23. Oktober 2026 beteiligten sich 99 Unternehmen in den USA. Weltweit gingen knapp 3.500 Unternehmensantworten in den AHK World Business Outlook Herbst 2026 ein, der am 17. November offiziell vorgestellt wird.
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Veröffentlicht 04.11.2026
Pressekontakt
Julia Fellinger
Pressesprecherin