"Die Reform ist notwendig, sie darf aber nicht an den Realitäten der Unternehmen vorbeigehen", sagt Martin Schwindler, Zollexperte bei der DIHK. "Wenn Zollstellen geschlossen, Gebühren erhöht und Betriebe nicht eingebunden werden, entsteht mehr Bürokratie statt weniger."
Positiv bewertet die DIHK dagegen die geplante Stärkung der Führungsstrukturen, mehr nationale und internationale Zusammenarbeit sowie den Ausbau der Digitalisierung.
Längere Wartezeiten, höhere Kosten
Besonders kritisch sieht die DIHK die Pläne, kleinere Zollämter zu streichen. Für Unternehmen im ländlichen Raum hieße das: längere Wege und Wartezeiten. "Wer frische Lebensmittel oder Medikamente exportiert, kann sich Verzögerungen nicht leisten", warnt Schwindler. "Auch die Industrie mit Just-in-time-Produktion gerät dadurch unter Druck."
Bedenklich seien zudem zusätzliche Gebühren für zollseitige Dienstleistungen: "Das würde gerade kleine und mittlere Unternehmen belasten, die ohnehin schon mit hohen Kosten kämpfen. Wettbewerbsfähigkeit darf nicht durch staatliche Gebührenpolitik gefährdet werden."
Reformen nicht hinter verschlossenen Türen entwerfen
Und: Unternehmen erleben die Zollpraxis je nach Standort teilweise sehr unterschiedlich. Während Anträge an manchen Orten zügig bearbeitet werden, dauert es andernorts deutlich länger. "Die Wirtschaft braucht verlässliche Standards – keine Lotterie nach Postleitzahlen", so Schwindler. Hinzu komme, dass auch die internen Abläufe oft schwerfällig und uneinheitlich seien. "Wenn Entscheidungen je nach Behörde unterschiedlich ausfallen und Prozesse komplizierter statt einfacher werden, konterkariert das die Modernisierungsidee", stellt der DIHK-Zollexperte klar.
Die Reformstrategie wurde zwar schon 2024 gestartet – bislang jedoch ohne ausreichende Einbindung der Wirtschaft. "Reformen hinter verschlossenen Türen gehen an den Bedürfnissen der Praxis vorbei", kritisiert Schwindler. "Nur wenn Unternehmen von Anfang an mitreden, entstehen tragfähige Lösungen."
Echte Digitalisierung nötig
Nachholbedarf sieht die DIHK vor allem bei der Digitalisierung. Das geplante Zollportal dürfe kein bloßer digitaler Briefkasten bleiben, sondern müsse zu einem echten Cockpit werden – mit einem einzigen Zugang, klaren Fristen und Schnittstellen zu europäischen Systemen wie dem geplanten EU-Data-Hub. Schwindler: "Nur so haben Unternehmen Investitionssicherheit."
Die Zollstrategie 2030 könne "ein Meilenstein werden – wenn sie sich an den Bedürfnissen der Unternehmen orientiert", fasst er zusammen. "Ohne Transparenz, Beteiligung der Wirtschaft und klare Verbesserungen für die Praxis bleibt sie allerdings ein Papiertiger."
Ausführlich hat sich die DIHK in einer Stellungnahme zu den Plänen des Bundesfinanzministeriums geäußert:
DIHK-Stellungnahme von August 2025 zu "Zoll 2030" (PDF, 176 KB)
Konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau im Zoll unterbreitet die DIHK in einem Ideenpapier, das hier in einer Lang- und einer Kurzfassung abrufbar ist:
DIHK-Ideenpapier Bürokratieabbau Zoll (PDF, 237 KB)
Onepager DIHK-Ideenpapier Bürokratieabbau Zoll (PDF, 97 KB)