Pfadnavigation

Gewerbemieten in Zeiten der Corona-Krise

Konstruktive Lösungen für Gewerbemieter und Vermieter
leere Gaststätte

Ohne Gäste kein Umsatz – dennoch will der Vermieter bezahlt werden

© South_agency / E+ / Getty Images

Es ist ein historisch einmaliger Geschäftseinbruch, den Unternehmer aus Handel, Dienstleistung und Gastronomie, aber auch Kulturtreibende und Produzenten gerade erleben. Die Einschränkungen der Corona-Krise haben sie fest im Griff – mit der Folge, dass sie oft ihre Gewerbemiete nicht mehr bezahlen können. Doch im Dialog und mit Kompromissbereitschaft können Mieter und Vermieter von Gewerbeimmobilien einen Ausweg finden, meint DIHK-Expertin Tine Fuchs in ihrer "DIHK-Analyse".

Über Nacht brechen Umsätze dramatisch ein, während die Ausgaben für Personal, Mieten und Unterhaltung weiter beglichen werden müssen. So führen die angeordneten Vorsichtsmaßnahmen aufgrund der Kontaktsperre, die Schließungen der Geschäftslokale und die daraus folgenden Stornierungen viele Gastwirte, Dienstleister oder Händler in eine oft existenzbedrohende Krise.

Selbst diejenigen, die mit Kreativität und Erfindergeist neue Geschäftsmodelle über das Internet oder den Außer-Haus-Verkauf erschaffen, bleiben weit hinter ihren Umsatzerwartungen zurück.

Immobilienwirtschaft ist von Corona-Maßnahmen auch betroffen

Diese Geschäftseinbrüche ziehen Kreise: Sie schlagen unter anderem unmittelbar auf die Immobilienwirtschaft durch. Denn insolvente Unternehmen fallen als Gewerbemieter aus.

Was aber ist den Gewerbemietern und ihren Vermietern in ihrer Krise zu raten? Das Wort der Stunde lautet wohl – Solidarität. Schließlich nutzt es einem Vermieter auch nicht, leeren Gewerberaum zu unterhalten und nach der Krise mühsam neu zu vermieten.

Praxisnahe und einvernehmliche Lösungen finden

Daher empfiehlt der DIHK praxisnahe und einvernehmliche Lösungen: Suchen Sie den Dialog mit Ihrem Gewerbevermieter respektive Gewerbemieter. Finden Sie gemeinsam einen Weg aus der Krise und einen Kompromiss, der für beide tragfähig ist. Suchen Sie einen fairen Ausgleich.

Dabei können die Corona-Sondergesetze helfen, die seit dem 1. April 2020 gelten. Egal ob Laden, Büro oder Gaststätte – nach diesen Regeln können Mieter und Vermieter eine Stundungsvereinbarung treffen: Der Mieter muss im Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 keine Miete für Büro, Gaststätte oder Laden bezahlen. Allerdings wird die Miete danach in vollem Umfang fällig, und es können auch zusätzliche Kosten durch Zinsen entstehen.

Zuverlässige Mieter kommen ohne Verschulden in die Bredouille

Einen wichtigen Vorteil hat der Gewerbemieter trotzdem: Der Vermieter darf ihm in diesem Zeitraum nicht kündigen. Und der Vorteil für die Vermieter liegt auch auf der Hand: Sie können bewährte Mieter behalten, die unverschuldet in die Corona-Krise geraten sind. Viele städtische Immobilieneigentümer bieten ihren Partnern im Übrigen bereits derartige Regelungen an, um auch nach der Corona-Krise weiterhin gute Mieter zu haben.

Doch es geht auch ohne die neuen Corona-Regeln: Händler, Gastronomen, Dienstleister oder Kulturschaffende können im konstruktiven Dialog mit ihren Vermietern Mietnachlässe oder -verzichte vereinbaren. Ein bekanntes Beispiel ist die Stadt München, die für die Gewerbehöfe in München für sechs Monate auf die Mietzahlungen verzichtet. Ein monetärer Verlust für die Stadt, aber ein nicht zu unterschätzender Image-Gewinn. Und der bislang zuverlässige Mieter bleibt auch erhalten.

Kompromiss und Dialog auf dem Weg aus der Corona-Krise

Nicht unerwähnt bleiben sollen auch Hilfsfonds – wie etwa des Immobilienunternehmens Deutsche Wohnen: Er umfasst 30 Millionen Euro und springt für Gewerbemieter ein, die ihre Miete mangels Einnahmen nicht mehr zahlen können, und auch für Vermieter, die finanziell nicht in der Lage sind, die Miete für einen gewissen Zeitraum zu stunden oder zu erlassen.

Allen Möglichkeiten gemein ist – wie sich unschwer erkennen lässt – die Bereitschaft zum Kompromiss, Dialog und einem guten gemeinsamen Umgang mit den anstehenden Gewerbemieten.

Dahingegen war die strikte Wortlautauslegung der Corona-Sonderregeln, die manche größeren Unternehmen ausnutzen wollten, nicht wirklich zielführend.

Das Wichtigste zum Thema hat der DIHK in einem Merkblatt zusammengefasst: 

"DIHK kompakt" Gewerbemieten in der Corona-Krise (PDF, 541 KB)

© DIHK

Kontakt

Porträtbild Tine Fuchs, Referatsleiterin Stadtentwicklung | Planungsrecht | Bauleitplanung | nationale Verbraucherpolitik
Tine Fuchs Referatsleiterin Stadtentwicklung, Planungsrecht, Bauleitplanung, nationale Verbraucherpolitik
Sprechblasen mit FAQs

Fragen und Antworten zu Gewerbemieten

Unter welchen Bedingungen kann ich die Mietzahlung vorübergehend aussetzen? Muss ich weiterhin Nebenkosten zahlen? Antworten auf die wichtigsten Fragen finden Sie hier.