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Noch viel Luft nach oben bei der steuerlichen Forschungsförderung

DIHK-Befragung zeigt: Nur vier von zehn Betrieben nutzen die Zulage
Mitarbeiter in Schutzkleidung im Labor

Forschung ist teuer – dennoch verzichten gerade viele kleinere Unternehmen auf staatliche Förderung

© Westend 61 / Getty Images

Zwei Jahre nach ihrer Einführung sind insbesondere kleine und mittlere Unternehmen bei der Beantragung der steuerlichen Forschungsförderung zurückhaltend. Das zeigt eine aktuelle Befragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), an der deutschlandweit knapp 600 Betriebe teilgenommen haben, davon mehr als jeder zweite aus der Industrie.

Obwohl die Forschungszulage mittlerweile mehr als jedem zweiten Unternehmen bekannt ist, haben bisher nur rund vier von zehn der Firmen Anträge gestellt. Dabei zeigt sich mit Blick auf die Unternehmensgröße eine deutliche Schere: Während bereits mehr als die Hälfte der Betriebe ab 500 Mitarbeitern die Förderung beantragt hat, gilt das bei den kleineren Mittelständlern mit bis zu 50 Mitarbeitern erst für jeden fünften.

Bürokratie und Wissenslücken sind Hemmschuhe

Von den Unternehmen, die die Förderung nicht in Anspruch nehmen, lässt sich knapp jedes dritte von den bürokratischen Anforderungen einer Antragstellung abschrecken. Bei jedem vierten Betrieb besteht Unsicherheit über die Förderfähigkeit der eigenen Vorhaben. Außerdem sind vielen Unternehmen die Vorteile gegenüber der Projektförderung noch nicht klar, sodass sie auf einen Antrag verzichten.

Porträtfoto Ilja Nothnagel

Ilja Nothnagel

© DIHK / Marko Priske

"Mehr Innovationen begünstigen eine resilientere Wirtschaft. Das ist angesichts der Krisen dringend nötig. Die steuerliche Forschungsförderung kann hierbei ein wichtiger Hebel sein. Leider gibt es noch viel Luft nach oben", kommentiert DIHK-Hauptgeschäftsführungsmitglied Ilja Nothnagel die Ergebnisse. "Fast jedes zweite Unternehmen, dass die Förderung beantragt hat, bewertet das zweistufige Antragsverfahren bei der steuerlichen Forschungsförderung als bürokratisch, jedes fünfte sogar als sehr bürokratisch."

Die Vorschläge der Unternehmen zur Verbesserung des Antragsverfahrens reichen von weniger statistischen Angaben über geringere Nachweispflichten bis hin zu schnelleren Bearbeitungszeiten in der Bescheinigungsstelle und im Finanzamt. Weiterhin besteht für viele Firmen Unklarheit über die Kriterien der Förderfähigkeit. 

IHKs können helfen, den Informationsbedarf zu decken

"Um die Scheu gegenüber einem ungewohnten Verfahren zu nehmen, würde zudem eine größere Bekanntheit der Maßnahmen helfen", stellt Nothnagel klar. "Nach dem Motto: 'Tue Gutes und rede darüber'."

Denn wie die Befragung zeigt, besteht seitens der Betriebe noch ein erheblicher Informationsbedarf bezüglich der Vorteile dieses Förderinstrumentes. Das betrifft sowohl das Antragsverfahren als auch die Vorzüge der steuerlichen Forschungsförderung gegenüber der Projektförderung.

"Die Industrie- und Handelskammern bieten an, dabei als Multiplikatoren zu dienen, um die Unternehmen in den Regionen zu erreichen", so Nothnagel. "Denn gute Ideen sind in der aktuellen Krise gefragter denn je."

Betriebe erwarten Kostensenkung

Die Rückmeldungen der Unternehmen zeigen auch: Die Erwartungen der Betriebe an den Nutzen der steuerlichen Forschungsförderung sind durchaus hoch. Über drei Viertel der Unternehmen gehen davon aus, dass die steuerliche Forschungsförderung ihre Kosten für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben senkt. Im Mittelstand bis 250 Mitarbeiter gilt das sogar für acht von zehn Unternehmen. Mehr als jeder zweite Betrieb will die Förderung zur Ausweitung der eigenbetrieblichen Forschung und Entwicklung nutzen.

Ein überraschendes, positives Ergebnis aus der Befragung: Die Bescheinigung, dass ein förderfähiges Forschungs- und Entwicklungsvorhaben vorliegt, hilft jedem zehnten Betrieb mit bis zu 250 Mitarbeitern bei der externen Unternehmensfinanzierung.

Zulage bekannter und handhabbarer machen

"Die Forschungszulage wurde eingeführt, um die Forschung und Entwicklung in den deutschen Unternehmen zu verstetigen und neue Innovationen anzuschieben", resümiert Ilja Nothnagel. "Wie die Befragung zeigt, gelingt ihr das auch bereits teilweise. Deshalb sollten noch mehr Anstrengungen unternommen werden, um dieses Instrument bekannter und handhabbarer zu machen. Dazu sollte das Instrument mit Blick auf bürokratische Anforderungen, Bearbeitungszeiten, Nutzerfreundlichkeit regelmäßig überprüft werden, damit es in der Breite auch seine Wirkung entfalten kann."

Die kompletten Ergebnisse der DIHK-Befragung zur Forschungszulage gibt es hier zum Download:

DIHK-Auswertung "Mit Innovationen Krisen meistern" (PDF, 873 KB)


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