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Energie- und Rohstoffkosten belasten auch Gesundheitswirtschaft

DIHK-Report: Branche folgt dem gesamtwirtschaftlichen Negativtrend
Medizintechnische Geräte im Overlay

Die Lage der Betriebe in Medizintechnik & Co. bildet der DIHK-Gesundheitsreport ab

© whyframestudio / iStock / Getty Images Plus

Die hohen Energie- und Rohstoffpreise verdrängen in der Gesundheitswirtschaft den Fachkräftemangel von Platz eins der Risikofaktoren. Damit setzt sich der gesamtwirtschaftliche Trend auch in diesem Sektor fort, der üblicherweise weniger stark von konjunkturellen Schwankungen betroffen ist. Das zeigt der Gesundheitsreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) vom Frühsommer.

Mehr als zwei Drittel der rund 700 Unternehmen, die sich bis Mai an der Erhebung beteiligt haben, sind besorgt über die jüngsten Preisentwicklungen (72 Prozent), in der vorangegangenen Befragung zu Jahresbeginn waren es noch rund die Hälfte (51 Prozent). Das nach wie vor belastende Dauerthema Fachkräftemangel landet nun mit 66 Prozent auf der Liste der Geschäftsrisiken dicht dahinter. Auch die hohen Arbeitskosten werten knapp der Hälfte der Betriebe (49 Prozent) als bedrohlich – ein neuer kritischer Höchstwert.

Grafik Geschäftserwartungen zum Gesundheitsreport Frühsommer 2022

© DIHK

Perspektiven deutlich eingetrübt

Porträtbild Dr. Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer

Dr. Achim Dercks

© DIHK / Paul Aidan Perry

Wie bereits im Herbst 2021 stellt sich die Lage im Gesundheitssektor nun innerhalb kurzer Zeit erneut schlechter dar als in der Gesamtwirtschaft.

"Bei unserer Frühjahrsbefragung hatten die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft noch die Hoffnung, dass der allgemeine Negativtrend weitgehend an ihnen vorüberziehen wird", berichtet der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. "Nun aber haben sich die Perspektiven deutlich eingetrübt. Die Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine, der harte Lockdown in China und zusätzliche Probleme in den Lieferketten – das alles sind Faktoren, die einen ohnehin schon vom Fachkräftemangel gebeutelten Wirtschaftszweig noch zusätzlich belasten."

Der hohe Kostendruck bei Energie und Rohstoffen trifft die einzelnen Branchen der Gesundheitswirtschaft unterschiedlich hart: Nahezu alle Unternehmen der pharmazeutischen Industrie (95 Prozent) und 87 Prozent in der Medizintechnik spüren diese Belastungen verhältnismäßig stark; im Handel mit Gesundheitsgütern sind mit 70 Prozent ebenfalls viele Betriebe betroffen. Aber auch im weniger energieintensiven Dienstleistungssektor der Gesundheits- und sozialen Dienste leiden immer noch fast zwei Drittel der Unternehmen (62 Prozent) unter steigenden Preisen. Ganz konkret sind diese Betriebe vor allem von höheren Strom- und Kraftstoffkosten betroffen (87 Prozent).

Grafik zum Preisrisiko DIHK-Gesundheitsreport Frühsommer 2022

© DIHK

Medizintechnik von EU-Verordnung zusätzlich betroffen

In der Medizintechnik hat sich die Geschäftslage seit Jahresbeginn zwar leicht gebessert – 41 Prozent der Unternehmen bezeichnen hier ihre Lage als gut –, dennoch bleiben die Geschäftserwartungen weit hinter dem Vor-Corona-Niveau zurück, und die Betriebe sehen immer weniger optimistisch in die Zukunft. Dabei sind Gesundheitsleistungen "made in Germany" auch weiterhin gefragt, nicht zuletzt aufgrund von Bevölkerungswachstum und steigendem Wohlstand in den Entwicklungs- und Schwellenländern.

"Die Branche wird aber gleich von drei Seiten in die Zange genommen", sagt Achim Dercks. "Zum einen durch die Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen, zum anderen durch die Probleme bei den Lieferketten, und schließlich belastet die neue EU-Verordnung für Medizinprodukte (MDR) mit hohen Genehmigungsanforderungen und überforderten Zulassungsstellen noch zusätzlich. Dieser Cocktail sorgt zusammengenommen für viel Unruhe auf dem Markt."

Pharmaindustrie am optimistischsten

Insgesamt rechnet nur noch knapp jeder vierte Betrieb der Gesundheitswirtschaft (22 Prozent) mit einer Verbesserung der eigenen Geschäfte, 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Dabei sind die Erwartungen in der Pharmaindustrie noch am besten. Mehr als jedes zweite Unternehmen (53 Prozent) – gegenüber einem knappen Drittel in der gesamten Industrie – plant, in den Kapazitätsaufbau zu investieren – die Zeichen stehen hier also weiterhin auf Expansion. Das spiegelt sich auch in hohen Beschäftigungsplanungen der Branche wider.

Im Gesundheitsgüter-Handel dagegen rechnen 42 Prozent der Betriebe mit Umsatzrückgängen – damit setzt sich der seit Herbst 2019 anhaltende Negativtrend fort. Ein Grund hierfür dürfte auch in der Verunsicherung darüber liegen, welche Auswirkungen die schleppende Einführung des E-Rezepts auf die eigenen Geschäfte haben wird.

Erleichterungen schaffen, wo möglich

Zusammenfassend kommentiert Dercks: "Angesichts der aktuellen geopolitischen Situation sollten sich die Unternehmen nicht mit zusätzlichen Hemmnissen wie Überregulierungen oder bürokratischen Hürden belasten müssen. Dort, wo die Politik aktiv für Erleichterung sorgen kann, sollte sie es jetzt auch unbedingt tun.

Die kompletten Umfrageergebnisse gibt es hier zum Download:

DIHK-Gesundheitsreport Frühsommer 2022 (PDF, 474 KB)

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Porträtfoto Philipp Wien
Dr. Philipp Wien Referatsleiter Gesundheitswirtschaft

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Julia Fellinger Pressesprecherin