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Das umstürzende Potenzial Künstlicher Intelligenz

Interview mit Dr. Andreas Liebl, UnternehmerTUM GmbH, Garching
Dr. Andreas Liebl

Dr. Andreas Liebl

© Dr. Andreas Liebl

Die DIHK-Bildungs-GmbH hat gemeinsam mit der Initiative appliedAI der UnternehmerTUM GmbH aus Garching das in Finnland entwickelte Online-Weiterbildungsprogramm "Elements of AI" für den deutschen Markt adaptiert. appliedAI zählt mit 50 Partnern zu den größten Initiativen in Europa im Bereich angewandter künstlicher Intelligenz und beantwortet die organisatorischen, technologischen und strategischen Fragen von Unternehmen in der Anwendung von KI.

Zuständig für die Initiative ist Andreas Liebl, einer von fünf Geschäftsführern der UnternehmerTUM GmbH. Mit ihm sprach die DIHK-Bildungs-GmbH über lernende Systeme, rasante Entwicklungen und Weiterbildung als Chance.

DIHK-Bildungs-GmbH: Herr Dr. Liebl, weshalb beschäftigt sich UnternehmerTUM mit Künstlicher Intelligenz (KI)?

Andreas Liebl: Kernziel unseres Gründungszentrums ist es seit fast zwanzig Jahren, Innovationen in Deutschland zu fördern. Seit ein paar Jahren spielt KI in der Start-up-Szene eine immer wichtigere Rolle. Der Gründer des Magazins "Wired" sagte mal sinngemäß: Die nächsten 10.000 Businesspläne von Start-ups sehen so aus, dass die Firmen irgendwas entwickeln – und KI hinzufügen.

KI wird auf der Start-up-Seite jede weitere Innovation in irgendeiner Form beeinflussen. Ebenso überzeugt sind wir, dass KI für Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen disruptiv sein wird – und absolut notwendig für viele weitere Betriebe. KI wird unser Leben verändern.

DIHK-Bildungs-GmbH: Das sorgt doch gerade in kleineren Unternehmen sicherlich auch für Unruhe?

Liebl: Auf jeden Fall. Wir haben dazu eine Umfrage durchgeführt, die zeigt, dass viele Mittelständler vor dem Thema noch die Augen verschließen und bisher wenig über KI wissen. Zugleich steigt die Zahl der Anfragen aus der Wirtschaft nach KI-Anwendungen rapide. Auch deshalb kümmern wir uns so intensiv um das Thema.

DIHK-Bildungs-GmbH: Worin besteht denn Ihrer Auffassung nach das umstürzende Potenzial von KI?

Liebl: Ging es im Zuge der Digitalisierung bisher vor allem darum, Daten verfügbar zu machen, geht KI einen entscheidenden Schritt weiter. Mit KI haben wir nun die Möglichkeit, mit den im Zuge der Digitalisierung gewonnenen Daten Systeme so zu trainieren, dass sie Wert kreieren. Das reicht von der Optimierung von Lieferketten bis zu "predictive maintenance", also der vorausschauenden Wartung von Anlagen und Systemen.

DIHK-Bildungs-GmbH: Haben Sie ein Beispiel?

Liebl: Wir sind derzeit an der Entwicklung einer Technologie beteiligt, um Anlagensteuerung zu automatisieren. Bisher liegen einer solchen Steuerung umfangreiche Wenn-dann-Folgen zugrunde, allesamt ersonnen und programmiert von den zuständigen Entwicklern. Je komplexer Anlagen und Systeme werden, desto schwieriger ist es jedoch, alle Eventualitäten vorherzusehen. Mit KI hingegen lässt sich ein System oder eine Anlage so trainieren, dass sie letztlich selbst ein Verständnis aller Zusammenhänge aufbaut, um dann auf Basis der Eingangsparameter selbstständig zu entscheiden, welches die richtigen Ausgangsparameter sind.

DIHK-Bildungs-GmbH: Worin besteht der Vorteil?

Liebl: Damit lässt sich die Performanz einer Anlage drastisch erhöhen. Das hat übrigens auch erhebliche Folgen, an die man zunächst vielleicht nicht denkt – Stichwort: Klimawandel. KI hilft, den Energieverbrauch von Anlagen und Systemen beträchtlich zu senken. Massive Energieeinsparungen von bis zu 40 Prozent sind möglich! In der Medizin wiederum kommt KI in der Diagnose von Krankheiten zum Einsatz – und zwar schon jetzt mit einer Geschwindigkeit und Genauigkeit, die bis vor kurzem noch undenkbar waren.

DIHK-Bildungs-GmbH: Kommen wir Menschen da überhaupt noch mit? Oder anders gefragt: Was muss geschehen, damit wir von KI nicht einfach abgelöst, sondern vielmehr sinnvoll unterstützt werden?

Liebl: Die Entwicklungsgeschwindigkeit von KI ist sicherlich die größte Herausforderung. Selbst Experten haben Schwierigkeiten, der gesamten Entwicklung zu folgen. Unsere Wahrnehmung, aber auch die regulatorische Seite hinken weit hinterher. Das erzeugt natürlich Ängste und Schwierigkeiten. Deshalb müssen wir uns den Veränderungen stellen und lernen, uns darauf einzulassen. Möglichst viele Menschen brauchen ein Grundverständnis von KI. Ein guter Weg dahin sind qualitativ hochwertige, neutrale Bildungsangebote wie "Elements of AI".

DIHK-Bildungs-GmbH: Wer den kostenlosen, rund 20-stündigen Onlinekurs absolviert – so wie bereits weit über 300.000 Menschen in Finnland, wo "Elements of AI" entwickelt wurde –, ist also fit für die Welt der Künstlichen Intelligenz?

Liebl: Natürlich sind Bildungsprogramme wie "Elements of AI" nur ein erster Schritt. Aber ein sehr wichtiger. Das Angebot ist niederschwellig und versetzt potenziell sehr viele Menschen in kurzer Zeit in die Lage zu verstehen, worum es bei KI geht.

DIHK-Bildungs-GmbH: Wie sehen die weiteren Schritte aus?

Liebl: Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Menschen möglichst bald ein Grundverständnis von KI erwerben. Denn wir müssen uns in die Lage versetzen, aktiv daran mitwirken zu können, wie diese Technologie bei uns zum Einsatz kommt.

Aber natürlich müssen auch die Universitäten auf ihrer Ebene entsprechende Studienelemente entwickeln. Beispielsweise sollte jeder, der Medizin studiert, sich mit KI auseinandersetzen müssen, denn in wenigen Jahren kommt KI in Krankenhäusern flächendeckend zum Einsatz!

Gerade entstehen die ersten reinen KI-Studiengänge – ein weiterer konsequenter Schritt. Da KI aber schon jetzt Realität ist, bedarf es bald auch geeigneter Kompetenzprofile und Weiterbildungsangebote für diejenigen, die bereits in Unternehmen mit der Digitalisierung befasst sind.

Doch wie gesagt: Letztlich kommt es auf uns alle an, denn KI bedeutet einen umfassenden Kulturwandel. Wer mit "Elements of AI" oder einem ähnlichen Angebot in die KI-Welt einsteigt, verschafft sich damit entscheidendes Rüstzeug für die nächste Zukunft.

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