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Wie Unternehmen auf die hohen Strom-, Gas- und Kraftstoffpreise reagieren

Weitergabe an die Kunden gelingt nur 59 Prozent der Betriebe
Luftbild von Solaranlagen auf einem Bürokomplex

Wo irgend möglich, versuchen die Unternehmen, ihre Energiebilanz zu verbessern

© Asia-Pacific Images Studio / E+ / Getty Images

Die Erzeugerpreise für Energie sind im September 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 132 Prozent gestiegen. Seit dem Frühsommer 2021 stellen die Energie- und Rohstoffpreise in der Industrie das größte Geschäftsrisiko dar. Wie gehen die Betriebe damit um?

Die Kostensituation wird immer drückender. Zuletzt gaben 82 Prozent aller Unternehmen und 93 Prozent der Industriebetriebe das als Geschäftsrisiko an. Aus einer Vorabauswertung des jährlichen DIHK-Energiewendebarometers aus dem Juli 2022 ging hervor, dass sich 16 Prozent der Industrieunternehmen gezwungen sehen, auf die aktuelle Energielage mit einem Zurückfahren der Produktion oder einer zumindest teilweisen Aufgabe von Geschäftsbereichen zu reagieren. Deswegen wurde in der Herbst-Konjunkturumfrage in einer Sonderfrage erhoben, wie die Betriebe mit den gestiegenen Strom-, Gas-, und Kraftstoffpreise umgehen.

Grafik zur Konjunkturumfrage Herbst 2022, Reaktionen der Gesamtwirtschaft auf Energiepreise

© DIHK

Das Ergebnis: Fast drei von fünf Unternehmen (59 Prozent) wollen ihre gestiegenen Energiekosten zum Großteil an ihre Kunden weitergeben. Am häufigsten nennen dies Industrie- und Baubetriebe (73 Prozent und 72 Prozent). Etwas seltener kommt das für Betriebe aus dem Handel oder dem Dienstleistungssektor infrage (58 Prozent und 50 Prozent). 

Von Effizienzsteigerung bis Angebotseinschränkung

Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen sind für knapp zwei von fünf (38 Prozent) Unternehmen eine Option. In der Industrie nennt jedes zweite Unternehmen dies als Reaktion (50 Prozent). In den anderen Sektoren sind es hingegen nur rund ein Viertel bis ein Drittel (Handel: 37 Prozent; Dienstleistungen: 32 Prozent; Bau 27 Prozent).

Insgesamt weichen 14 Prozent der Betriebe auf andere Energieträger aus. Das ist überdurchschnittlich häufig in der Industrie der Fall, wo über ein Fünftel (21 Prozent) der Unternehmen auf andere Energieformen umsteigen will. In den anderen drei Sektoren ist es jeweils genau jedes zehnte Unternehmen. 

Mit einer Reduzierung ihrer Produktion oder ihrer Angebote reagieren 14 Prozent aller Betriebe. Spitzenreiter der Sektoren ist mit 17 Prozent die Industrie. Dabei drosseln insbesondere die energieintensiven Vorleistungsgüterhersteller ihre Produktion, wie beispielsweise die Chemische Industrie oder Unternehmen der Glas-, Keramik- und Steineverarbeitung (27 Prozent und 30 Prozent). Jedoch sind auch einzelne Ge- und Verbrauchsgüterhersteller stark betroffen, wie etwa die Nahrungs- und Futtermittelindustrie (28 Prozent) oder Investitionsgüterhersteller wie die Produzenten von Kfz-Teilen und Zubehör (21 Prozent). Im Handel und bei den Dienstleistern reagieren 14 beziehungsweise 13 Prozent mit der Verringerung der Angebote, dabei sticht besonders das Gastgewerbe hervor (30 Prozent). Im Baugewerbe reduzieren nur 10 Prozent.

Jeder zwölfte Industriebetrieb plant Produktionsverlagerungen

Etwa jedes zwölfte Industrieunternehmen (8 Prozent) will seine Produktion aufgrund der gestiegenen Kosten verlagern. Besonders häufig sehen sich Unternehmen aus dem Kraftfahrzeugbau (17 Prozent) dazu gezwungen. In den anderen Sektoren sind es deutlich weniger, da eine Produktionsverlagerung technisch oftmals nicht möglich ist (Handel: 3 Prozent, Bau 2 Prozent; Dienstleistungen 2 Prozent).

13 Prozent der Unternehmen reagieren auf sonstige Weise auf die gestiegenen Energiekosten. Genannt wurden hier zum Beispiel Energiesparmaßnahmen am Arbeitsort (etwa weniger Heizen, Beleuchten), verstärktes mobiles Arbeiten, Reduzierung der Betriebs-/Geschäftszeiten, Einsparungen an anderer Stelle oder gar die Betriebsschließung. 

Nur 15 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie nicht von gestiegenen Kosten betroffen sind oder zumindest nicht auf die Kostensteigerung reagieren. Im Dienstleistungssektor ist das bei jedem fünften (22 Prozent) Unternehmen der Fall. Am seltensten nennen das mit 7 Prozent Betriebe aus der Industrie (Handel: 12 Prozent; Baugewerbe: 13 Prozent).

Grafik zur Konjunkturumfrage Herbst 2022, Reaktionen auf Energiepreise nach Branchen

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Dr. Niclas Wenz Referatsleiter für Strommarkt, erneuerbare Energie und nationalen Klimaschutz

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Julia Fellinger Pressesprecherin