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Globale Zollkonflikte – New Normal für den deutschen Außenhandel?

Chinesische Pkw im Hafen von Guangzhou

Die US-Regierung hat Steuererhöhungen für viele Importe aus China angekündigt, unter anderem auf E-Autos

© koiguo / Moment / Getty Images

Am 14. Mai kündigte die US-Regierung höhere Zölle auf viele chinesische Güter an: Betroffen sind Produkte vom E-Auto bis hin zu Gummihandschuhen. Die ökonomische Entkopplung zwischen den USA und China beschränkt den globalen Güteraustausch immer stärker, das geht insbesondere zulasten der international eng vernetzten deutschen Wirtschaft. Jeder vierte Job in Deutschland hängt vom Export ab, in der Industrie sogar jeder zweite.

Bereits die US-Vorgängerregierung hatte umfangreiche Importzölle eingeführt – auch gegen die EU. Und Donald Trump hat im laufenden Wahlkampf für den Fall seiner erneuten Wahl zum Präsidenten bereits weitere Außenzölle von bis zu 100 Prozent angekündigt, darunter eine allgemeine Erhöhung aller Importzölle um 10 Prozent. Auf was müssen sich auslandsaktive deutsche Unternehmen nun einstellen?

Entkopplung der Weltwirtschaft schreitet voran

2023 betrug der deutsche Güterhandel mit den USA und China insgesamt 507 Milliarden Euro – mehr als ein Sechstel des gesamten Außenhandels. Handelshemmnisse zwischen den beiden wichtigsten Handelspartnern – etwa in Form von Zöllen, Exportkontrollen oder Sanktionen – belasten das internationale Geschäft deutscher Unternehmen, aber auch die weltweiten Lieferketten insgesamt.

Inzwischen schlagen sich diese protektionistischen Maßnahmen auch in den Geschäftszahlen nieder: Der Güteraustausch zwischen geoökonomisch weit auseinanderliegenden Ländern ist laut Weltwährungsfonds zwölf Prozent niedriger als zwischen engen Verbündeten. Eine umfassende Entkopplung der Weltwirtschaft könnte bis zu sieben Prozent des Welt-Bruttoinlandsproduktes kosten – Tendenz steigend: Über 3.000 neue Handelshemmnisse werden jährlich eingeführt, mehr als dreimal so viele wie vor der Covid-Pandemie.

EU muss Wirtschaftsinteressen verteidigen

In Zeiten einer zunehmenden geoökonomischen Blockbildung ist ein entschlossenes und gemeinsames Handeln der EU wichtiger denn je, wie die DIHK in ihren Leitlinien für eine zukünftige EU-Handelspolitik dargelegt hat. Als rohstoffarmer Kontinent und angesichts großer globaler Marktchancen ist wirtschaftliche Offenheit für Handel, Investitionen und technologischen Austausch unerlässlich.

Ebenso sollte die EU diese auch von den Partnern weiter einfordern. Offenheit bedeutet nicht Naivität: Gegen Wettbewerbsverzerrungen, etwa durch unfaire Industriesubventionen, muss sich die EU wehren. Hierbei sind verschiedene chinesische Maßnahmen eine besondere Herausforderung, die Europa angehen sollte – mit WTO-konformen Mitteln, ohne Handelskonflikte unnötig heraufzubeschwören. Dies gilt insbesondere für die EU-Handelsschutzuntersuchung von E-Auto-Importen aus China. Hier ist gerade die deutsche Automobilbranche besorgt über mögliche chinesische Vergeltungsmaßnahmen. Schließlich ist China trotz allem Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die EU sollte sich daher mit Nachdruck für das Schließen der Lücken im WTO-Regelwerk für Subventionen – insbesondere bei Staatsbetrieben – einsetzen.

Auch zwischen den USA und der EU sind aktuelle Zollkonflikte in den Bereichen Stahl, Aluminium sowie Airbus-Boeing nur ausgesetzt. Eine Rückkehr dieser Zölle gilt es aus Sicht deutscher Unternehmen unbedingt zu verhindern.

Neue Handelsstrategie nötig

Vieles hat die EU selbst in der Hand. So sollten die europäischen Institutionen nach der Europawahl die Wettbewerbsfähigkeit durch Bürokratieabbau und eine verlässliche Energieversorgung stärken. Auch die engere Anbindung der EU-Nachbarschaft wie etwa des Vereinigten Königreichs, der Schweiz oder der Türkei an den Binnenmarkt wird wichtiger. Zudem sollte die Politik mit flexibleren Formaten die Außenwirtschaftsbeziehungen der Unternehmen begleiten.

Neben dem Abschluss von Handelsabkommen mit dem Mercosur, mit Indonesien und Indien können auch Digital- und Rohstoffabkommen, die Einrichtung von Handels- und Technologieräten sowie Abkommen zur gegenseitigen Anerkennung von Zukunftstechnologien die Exportgeschäfte der Unternehmen erleichtern. Zentral ist, dass die EU in der Handelspolitik globale Vereinbarungen vorantreibt, um international "Rule Maker" statt "Rule Taker" zu bleiben.

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Anne Reinacher Referatsleiterin Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen