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Treier: "Verhandlungen mit Indien priorisieren"

DIHK legt Prioritäten für ein EU-Handelsabkommen vor
Taj Mahal

Engere wirtschaftliche Verbindungen zu Indien wünschen sich die deutschen Unternehmen

© Adrian Pope / Stone / Getty Images

Auf die enormen Potenziale des indischen Marktes und die großen Chancen eines umfassenden EU-Handelsabkommens mit dem Subkontinent weist Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), anlässlich des dritten EU-Indopazifik-Forums hin.

Am 2. Februar kommen Vertreterinnen und Vertreter von Europäischer Union und Indopazifik-Staaten in Brüssel zusammen, um unter anderem über die Sicherheitszusammenarbeit, Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sowie die Global-Gateway-Initiative zu sprechen.

Andere Nationen machen schon Nägel mit Köpfen

Volker Treier anpackend 2022

Volker Treier

© DIHK / Werner Schuering

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier setzt große Hoffnungen auf den Termin – vor allem mit Blick auf Indien. Denn: "Für die international eng vernetzte deutsche Wirtschaft wäre ein ehrgeiziges Handelsabkommen mit Indien ein absoluter Gamechanger", stellt er klar. Schließlich hänge jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland am Export, in der Industrie sogar jeder zweite.

"Viele Wettbewerbsnationen verhandeln derzeit mit dem bevölkerungsreichsten Land der Welt Handelsabkommen und machen Nägel mit Köpfen", warnt Treier. "Damit Europa hier den Anschluss nicht verliert, sollte sich die Bundesregierung beim Indopazifik-Ministertreffen in Brüssel für eine Priorisierung der Verhandlungen mit Indien einsetzen."

Hürden abbauen, WTO nicht länger blockieren

Das Abkommen könne die vielfältigen indischen Handelshemmnisse etwa bei Zöllen und öffentlicher Beschaffung oder Probleme beim Schutz geistigen Eigentums und von Auslandsinvestitionen beseitigen und damit die Rechtssicherheit für Unternehmen auf beiden Seiten erhöhen. "Wichtig dabei ist, dass die EU sich nicht auf ein Schmalspurabkommen einlässt, sondern in all diesen Bereichen umfangreiche Verbesserungen beim Marktzugang erreicht", so der DIHK-Außenwirtschaftschef.

"Gleichzeitig sollte Indien von weiteren Blockaden innerhalb der Welthandelsorganisation WTO absehen, um deren Reform zu ermöglichen", mahnt er. "Schließlich ist über die Hälfte des EU-Außenhandels nur durch deren Regeln abgesichert, darunter aktuell auch der Handel mit Indien."

Wichtiger Beitrag zur Diversifizierung

Ein Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit Indien könne einen wichtigen Beitrag für die Diversifizierung der Lieferketten deutscher Unternehmen leisten, hofft Treier. "Darüber hinaus sollten auch mit weiteren Ländern der Wachstumsregion Indopazifik wie Indonesien, Thailand und den Philippinen rasch Handelsabkommen abgeschlossen werden, um den Außenhandel für die deutschen Unternehmen zu erleichtern."

Was bei einem EU-Indien-Handelsabkommen zu beachten wäre, hat die DIHK im Januar in einer Stellungnahme beschrieben:

DIHK-Stellungnahme EU-Indien Handelsabkommen (PDF, 205 KB)


Hintergrund

Die EU ist Indiens drittwichtigster Handelspartner, sein zweitwichtigster Exportmarkt und der größte Investor auf dem Subkontinent. 6.000 europäische Unternehmen schaffen direkt und indirekt rund fünf Millionen Arbeitsplätze im Land. Umgekehrt ist das bevölkerungsreichste Land der Welt der zehntwichtigste Handelspartner der EU.

Im Ranking der Handelspartner Deutschlands belegt Indien insgesamt Rang 24. 2022 betrug das deutsch-indische Handelsvolumen 29,9 Milliarden Euro, das waren 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Mehr als 2.000 deutsche Unternehmen mit insgesamt über 500.000 Beschäftigten sind bereits vor Ort vertreten.

Die deutsche Außenwirtschaft ist mit der Deutschen Auslandshandelskammer in Bombay (AHK Indien) seit 1956 vor Ort präsent.

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Mann im Haus der Deutschen Wirtschaft
Klemens Kober Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen

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Porträtfoto Susanne Schraff
Susanne Schraff Pressesprecherin