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Gleiche Chancen für alle: Auch Azubis sollen von Erasmus+ profitieren!

junge Frau mit Rucksack geht auf einer Stadtstraße Richtung Sonnenaufgang

Ein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung ist für Azubis und Unternehmen ein Gewinn

© Lorado / E+/ GettyImages

Ein Semester lang im Ausland leben – dieser Traum geht dank des EU-Programms Erasmus+ für viele Studierende in Erfüllung. Auch Auszubildende können mitmachen, aber die wenigsten wissen davon. Bisher stellen Azubis die Minderheit unter den Teilnehmenden. Während 2021 mehr als 280.000 Lernende aus dem Hochschulsektor von einer über Erasmus+ geförderten Lernmobilität profitierten, nahmen nur knapp 80.000 junge Menschen aus der Beruflichen Bildung teil.

Bei ihrem diesjährigen Treffen in Eupen/Ostbelgien am 21. September verabschiedeten die Kammerorganisationen aus Deutschland, Österreich, Belgien, Luxemburg und Südtirol eine gemeinsame Erklärung zum grenzüberschreitenden Lernen in der dualen Ausbildung in Europa. Darin fordern sie konkrete Maßnahmen, um mehr Auszubildenden einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen.

Win-win-Situation für Azubis und Betriebe

Die Vorteile eines Auslandsaufenthalts für junge Menschen sind vielfältig: Sie reichen vom Spracherwerb über die Erweiterung des persönlichen Horizonts bis hin zum Kennenlernen einer anderen Kultur und eines neuen Arbeitsumfeldes. Weitere Pluspunkte sind die Stärkung der Selbstständigkeit sowie das Knüpfen neuer Kontakte.

Auch für Unternehmen sind Auslandsaufenthalte ihrer Auszubildenden eine wichtige Chance. Die Betriebe gewinnen auf diese Weise nicht nur qualifizierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern können sich auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt als attraktive Arbeitgeber positionieren.

Mobilitätsberaterinnen und -berater stehen Unternehmen zur Seite

Trotz der vielen Vorteile schlagen immer noch vergleichsweise wenige Azubis den Weg ins Ausland ein. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Bürokratischer Aufwand steht ganz vorne auf der Liste der Hürden. Planung und Durchführung sind mit einem hohen zeitlichen und organisatorischen Aufwand verbunden. Zudem tun sich gerade kleinere Unternehmen schwer, für einen längeren Zeitraum auf ihre Azubis vor Ort zu verzichten. Auch die Überbrückung sprachlicher Barrieren stellt eine Herausforderung dar.

Das gemeinsam von der Deutschen Industrie- und Handelskammer und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks initiierte und vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützte Projekt Berufsbildung ohne Grenzen zielt darauf ab, die Zahl der Auslandsaufenthalte in der Beruflichen Bildung zu erhöhen. Rund 80 Mobilitätsberaterinnen und -berater in Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern helfen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei der Organisation und Durchführung von Auslandsaufenthalten. Unter anderem leisten sie den Betrieben Unterstützung beim Beantragen von Fördermitteln und bei der Suche nach einem passenden Partnerbetrieb im Ausland.

Da geht noch mehr!

Der Auf- und Ausbau solcher regional verankerten und betriebsnahen Anlaufstellen für die Beratung und Unterstützung für Unternehmen ist eine Hauptforderung in der gemeinsamen Erklärung der deutschsprachigen Kammerorganisationen. Sie fordern zudem, dass kurze Aufenthalte gegenüber längeren Auslandsphasen nicht benachteiligt werden dürfen. Im Rahmen der dualen Ausbildung haben sich Zeiträume von zwei bis acht Wochen bewährt. Zudem sollte eine Förderung über Erasmus+ auch für junge Fachkräfte bis zu fünf Jahre nach Abschluss der dualen Ausbildung möglich sein.

Diese Forderungen werden jetzt an Entscheidungsträgerinnen und -träger auf nationaler und EU-Ebene herangetragen. Denn die EU-Kommission arbeitet bezüglich Erasmus+ gerade an einer Halbzeit-Evaluierung des derzeitigen Programms, welches noch bis 2027 laufen wird. Die Kommission wird zudem noch in diesem Jahr einen Vorschlag für eine Ratsempfehlung zum Thema Lernmobilität vorlegen. Ziel ist es, die Lern- und Lehrmöglichkeiten im europäischen Ausland für alle zu verbessern und Hindernisse für die Lernmobilität abzubauen.

Insbesondere nach dem EU-Austritt Großbritanniens als Zielland sowie dem generellen Rückgang während der Pandemie-Jahre ist es nun umso wichtiger, günstige Voraussetzungen für eine Förderung von Auslandsaufenthalten zu schaffen. Die DIHK bleibt am Ball und setzt sich dafür ein, dass dabei insbesondere die Perspektiven von KMU und deren Azubis im Fokus stehen.

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Kontakt

Porträtfoto Kathrin Riedler
Kathrin Riedler Referatsleiterin EU-Bildungs- und Beschäftigungspolitik, EU-Fachkräftesicherung